Mittwoch, 15. August 2018

Maulkorb: Auswahl und Angewöhnung

Um Maulkörbe gibt es viel Irrglauben. Und leider lässt auch die gesellschaftliche Akzeptanz zu wünschen übrig. Allzu oft schildern mir Hundehalter, dass sie mit bedauernden Blicken angeschaut werden oder ein leise geflüstertes "So ein armer Hund" hören. Dieser Artikel hilft bei der richtigen Auswahl eines gut sitzenden Maulkorbs sowie bei seiner anschließenden Angewöhnung und räumt mit Vorurteilen und Irrglauben auf.

Der Markt bietet eine Vielzahl an Maulkörben aus
verschiedenen Materialien, mit mehreren Formen
und natürlich auch Größen.


Der Maulkorb, ein nützliches Sicherheitsutensil


Bissprävention ist der Hauptgrund für den Einsatz von Maul-
körben. Treasure überzieht hier deutlich, kann aber keine
Verletzung verursachen. Dennoch sind Maulkörbe auch aus
dickem Leder nicht zuletzt durch die großen Lücken, durch
die sie z.B. ein Ohr erwischen können, nicht absolut Bisssicher.
Der Maulkorb ist kein Strafwerkzeug für Hunde. Sorgfältig und mit Sachverstand ausgewählt, anschließend
richtig angewöhnt, ist er für einen Hund nicht allzu störend und senkt dessen Lebensqualität in keinem signifikanten Masse, auch wenn eine gewisse Einschränkung selbstverständlich zweckgebunden vorhanden ist. Im Gegenteil: er erhöht in der Gesamtbetrachtung die Lebensqualität sowohl für den Hund als auch für dessen Halter, weil er sicher stellen kann, dass ein zu aggressiven Handlungen mit Beißabsichten neigender Hund niemanden durch seine Beißkraft schädigen kann (Verletzungen durch die bloße Körperkraft, Krallen oder durch Stoßen mit dem Maulkorb sind immer noch möglich, weisen jedoch ein viel geringeres Risiko auf, stark verletzt zu werden). Dadurch können Hundehalter entspannter spazieren gehen und der Hund genießt größere Freiheiten an der Leine oder gar, in geeigneter Umgebung, ohne diese. Ebenso kann ein Maulkorb in einem Gebiet, in dem eine Giftköderwarnung vorliegt, ein Lebensretter sein, wenn er die Aufnahme von Futter zuverlässig verhindert.

Ein Maulkorb kann auch aus gesundheitlichen Gründen sinnvoll sein, um zu verhindern, dass ein Hund eigene Körperstellen schädigt oder den Heilungsprozess durch Lecken oder Ankauen einer Wunde verhindert.

Trainer setzen Maulkörbe auch ein,
weil sie bei Tests Verletzungen
vermeiden wollen. Treasure, der
junge Schnösel, ist für andere,
vor allem unterlegene und
unsouveräne Hunde, gefährlich.
Man kann einen Maulkorb zur temporären Aufnahmeprävention von  Giftködern einsetzen, wenn in Ihrer Gegend aktuelle Giftköderwarnungen laut Giftköderradar vorliegen.

Ein weiterer Einsatzbereich sind öffentliche Verkehrsmittel. Manche Bundesländer schreiben das Tragen eines Maulkorbs in Bus und Bahn grundsätzlich und unabhängig von der Vorgeschichte oder der Größe eines Hundes vor. Bei der Deutschen Bahn gilt diese Regel immer, wird aber nicht von jedem Schaffner beachtet und durchgesetzt.

Im professionellen Bereich kann der Einsatz eines Maulkorbs geboten sein, um einen Hund unter Streßbedingungen oder die Intensität seiner Aggressivität und seine anschließende Ansprechbarkeit abzuschätzen.

Eine Maulkorbangewöhnung sollte daher meiner Meinung nach ein fester Bestandteil von Welpenkursen und Junghundkursen sein: was Hänschen beizeiten lernt, fällt Hans umso leichter. 

Das Ausführen eines zu Überreaktionen neigenden Hundes mit einem Maulkorb zeugt von Verantwortungsbewusstsein seines Halters.



Die richtige Auswahl - das sollten Sie vor einem Kauf wissen


Wer die Wahl hat, hat die Qual. Tatsächlich warten Läden und Online-Shops mit einer Vielzahl nicht nur an Größen und Herstellern sondern auch an Materialien und Bauvarianten auf. Schnell kann man überfordert sein und die falsche Wahl treffen. Die Palette reicht von Maulschlaufen über lustige Fashion-Maulkörbe bis hin zu Leder-, Plastik-, Biothane-, Silikon-, Draht- und Stahlmaulkörben.

Anhand der folgenden Kriterien, die ein guter Maulkorb erfüllen sollte, können schnell die meisten Materialien zumindest für einen längeren oder häufigen Einsatz direkt ausgefiltert werden:

  • Nasenfreiheit: zwischen Nase und Vorderwand des Maulkorbs sollte ein kleiner Abstand sein. Die Nase des Hundes darf den Maulkorb an keiner Stelle berühren.
  • Freier Blick: Der Abstand zu den Augen des Hundes groß genug, damit dieser ein uneingeschränktes Blickfeld hat.
  • Raum zum Hecheln: Der Maulkorb muss unter der Schnauze so tief sein, dass Hecheln problemlos möglich ist.
  • Reibungsfreiheit: An den Seiten darf der Maulkorb die Wangenpartie nicht reiben und reizen.
  • Druckfreier Kopfriemen: Der Hauptriemen sollte bestenfalls nicht direkt hinter den Ohren aufliegen, damit er nicht gegen diese empfindlichen Stellen drückt.
  • Nasenbügel: Ein weich gepolsterter Nasenbügel sorgt dafür, dass der Maulkorb mit seinem harten Material nicht direkt auf des Hundes Schnauze aufliegt.
  • Stirnriemen: ein Stirnriemen bietet noch mehr Sicherheit, dass ein Maulkorb bei möglichen Auseinandersetzungen nicht über die Nase runter gezogen werden kann.

Die Modelle und Materialien im Einzelnen


Dieser Hund kann sein Maul nur
minimal öffnen. Nicht genug, um
artgerecht hecheln zu können aber
ausreichend, um einen Menschen
schmerzhaft zu zwicken.
Wie schon im Artikel Giftköder - Wenn Hunde zu Hundernissen werden  geschrieben, sehen Maulschlaufen aus Nylon zwar schön und recht harmlos aus, sind aber bis auf spezielle kurze Einsätze nicht funktional. Wenn man diese so fest anbringt, dass der Hund kaum noch beißen kann, ist das Tragen durch das direkte enge aufliegen der Maulschlaufe nicht nur unangenehm für den Hund sondern bereits bei kürzeren Spaziergängen eine Qual für den Vierbeiner, weil er so nicht mal mehr hecheln kann. Hunde regulieren mittels Hecheln ihre Körpertemperatur, weshalb die Möglichkeit zum Hecheln nur kurzfristig eingeschränkt werden darf. Lockert man die Schlaufe, damit der Hund also hecheln kann, ist weder der Beißschutz noch der Schutz vor unerwünschten Futteraufnahmen gegeben. Nylonschlaufen eignen sich daher weder als Beißschutz noch zur Giftköderprävention und allenfalls für einen Kurzzeiteinsatz z.B. beim Tierarzt.

2017 suchte mich eine Familie mit einem "zu ersten Aggressionen neigenden" (so hieß es) altdeutschen Schäferhund auf. Noch in der Tiefgarage fragte mich die Hundehalterin bei bereits geöffnetem Kofferraum, ob der "Maulkorb" denn ausreichend wäre. Als ich an den dunklen Kofferraum näher herantrat, um mir das Utensil anzuschauen, öffnete fatalerweise der Hundehalter die Box. Das erfolgte so überraschend und schnell, dass meine Aufforderung "Bitte nicht öffnen" gleichzeitig mit dem Stoß des Hundes gegen die Boxtür erklang, woraufhin der verdutzte Hundehalter kurzzeitig das Gleichgewicht verlor und zwei Schritte zurück trat, während der Hund aus der Box sprang und mich sofort angriff. Er zwickte mich am Oberschenkel, am Arm und am Bauch, bevor der Hundehalter und ich ihn unter Kontrolle brachten. Dieser Hund hatte lediglich eine Nylonmaulschlaufe an. Die Empfindungsstärke von Schmerz ist sicherlich stark individuell. Angenehm waren die Schnapper keineswegs.

Solche Scherzartikel sind für einen
ernsthaften Einsatz ungeeignet.
Der Einsatz von Fashion-Maulkörben ist, wenn überhaupt, nur auf dem eigenen Grundstück sinnvoll. Ganz abgesehen von Sicherheitsaspekten: Aufgemalte Lefzen und Zähne können nicht nur Kinder oder gar Erwachsene erschrecken, ja ängstigen, sondern auch Artgenossen irritieren; und wenn ein Hund ohnehin schon Probleme mit Außenreizen hat, sollten solche unnötigen Irritationen das Letzte sein, was ein verantwortungsvoller Hundehalter heraufbeschwören möchte.

Ob Sie Leder-, Plastik-, Biothane-, Silikon- oder einen Metallmaulkorb einsetzen  können bzw. sollten, hängt davon ab, welches Gefahrpotential Ihr Hund entfaltet. Dabei neigen Hundehalter häufiger, das Verletzungspotential zu unter- als es zu überschätzen. Zum einen ist meist anfangs noch nicht viel passiert. Zum anderen ist der betroffene Hund daheim in der Regel zu allen ausgesprochen freundlich. Man traut dem lieben Schatz wiederholtes, beschädigendes Beißen gar nicht zu. Der eigene Eindruck kann täuschen und sehr subjektiv sein, wie die obige Geschichte des altdeutschen Schäferhundes zeigt; beileibe kein Einzelfall.

Neben mir liegt just in diesem Moment der mit Menschen wunderbarer Malinois Treasure. Auch mit souveränen Hunden kann er umgehen. Daher läuft er draußen unsere Runden zeitweise zusammen mit dem nachbarschaftlichen Husky Jack. Dennoch in der Gegenwart anderer Hunde ausschließlich mit einem Maulkorb. Hunde, die durchaus angemessene, aggressive Signale aussenden wie Knurren oder Zähne blecken werden unter Umständen angegriffen. Ein Vorfall in seinem ersten Haushalt mit einem Terrier des Nachbars zeigt, dass Treasure beschädigend beißt; der Terrier hat die Auseinandersetzung zum Glück verletzt überlebt. Von meinen anderen Hunden und Therapiegästen trenne ich Treasure, trotz Maulkorb, räumlich konsequent.

Sehr eng anliegender Maulkorb.
Trotz Nasenbügels kann sich dieser
Hund darin kaum wohl fühlen noch
gebührend hecheln.
Plastikmaulkörbe sind beißfest. Aber sie können zum Einen bei heftigen Zusammenstößen z.B. mit einem Stahlmaulkorb eines Artgenossen platzen, zum anderen bieten sie wenig Raum zum Hecheln. Schnell wird die dichte Vorderwand eines Plastikmaulkorbs feucht, was man schon nach kurzer Tragezeit nach der Abnahme des Maulkorbs sehen kann. Auch die typischen Klickverschlüsse bilden eine Gefahr bei Auseinandersetzungen, weil sie durch Druck aufgehen können.

Viele Maulkörbe als Leder aber auch aus Biothane sind nicht absolut beißfest. Soll ein Hund sich darin wohl fühlen, muss ein solcher Maulkorb der Schnauze Raum zum Hecheln bieten und damit auch Räume um zusammen mit dem Material beißend verletzen zu können. Weiches, feines Leder ist daher nur bei Hunden geeignet, die ein geringes Beißpotential aufweisen. Eine weitere Gefahr sind zu große Lücken zwischen den einzelnen Riemen des Maulkorbs, so dass Hunde dadurch, wenn auch deutlich vermindert, beißen können.

Biothane ist übrigens ein Polyestergewebe. Es ist ummantelt mit thermoplastischem Polyurethan (TPU) oder Polyvinylchlorid (PVC). Das macht das Material wasserfest, pflegeleicht, einfach zu reinigen und sehr reißfest. Der österreichischer Anbieter BUMAS fertigt maßgeschneiderte, farbige Maulkörbe aus Biothane an. Sie sind allerdings vergleichsweise extrem teuer. Bei diesen Maulkörben ist es wie beim Leder: wie beißfest sie sind hängt davon ab, wie eng beieinander die Biothaneriemen vorne wie seitlich angeordnet werden.

Der Baskerville Ultra. Sieht beißsicher
aus, ist er aber nicht. Für minderpro-
blematische Fälle ist er dennoch eine
brauchbare Alternative.
Ein weit verbreiteter Maulkorb ist der Baskerville (Baskerville Ultra). Er besteht aus Silikon, ist aber ebenfalls nicht absolut beißfest. Die einzig für einen längeren Einsatz geeigneten Maulkörbe sind die aus Draht oder Stahl, weil sie beißfest sind und auch den notwendigen Komfort für längeres Tragen und damit beste Bedingungen für eine sehr gute Akzeptanz des Hundes aufweisen (können): oft genügend Raum zum Hecheln; weiche, gepolsterte Nasenbügel; oft geeignet zur Nahrungsaufnahme und somit für einen Dauereinsatz.
Auch wenn Bügelverschlüsse recht sicher sind, sollten sie zumindest dann mit einem Tape abgeklebt werden, wenn der tragende Hund intraspezifisch (also innerartlich) zu Aggressionsausbrüchen neigt und man ihn mit Artgenossen frei laufen lässt. Hundezentrum Baumann klebt alle Maulkorbverschlüsse stets ab, bevor auf einem Rauferseminar sorgfältig ausgesuchte Hundepaarungen einander frei (an Schleppleine, der Mensch bleibt immer ein stets bereiter Regulativ) begegnen dürfen. Sicher ist sicher.

Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile verschiedener Modelle und Materialien

 Schlaufe   Plastik   Leder   Biothane   Silikon   Draht   Stahl 
Sicherheit
Bissprävention
Robustheit
Stirnriemen  
Verschlüsse
Tragekomfort
Gewicht
Hecheln
Nasenriemen
Anpassbarkeit s
Dauereinsatz
Nahrungsaufnahme
Trinken
Training
Leckerliaufnahme s
Tube
Giftköderprävention
Eignung

s = Sonderanfertigung, daher individuell

Einige Anmerkungen dazu:
  • Es gibt teilweise Plastikmaulkörbe mit Nasenauflagen aus Gummi. Die meisten Plastikmaulkörbe haben keinen Stirnriemen.
  • Das Leder wird porös und hart, wenn es häufiger nass wird und die Beißfestigkeit hängt von der Dicke des Leders sowie der Abstände der Riemen ab.
  • Die Maulkörbe aus Biothane werden häufig maßgeschneidert angefertigt, weshalb es von den Wünschen des Menschen abhängt, wie beißfest der Maulkorb wird und ob Nahrung und Leckerlis aufgenommen werden können oder der Maulkorb dicht ist. Sie werden in der Regel ohne einen Stirnriemen angefertigt.
  • Richtig anpassbar, bis auf die richtige Auswahl einer Maulkorbgröße, sind nur Drahtmaulkörbe, die man ein wenig verbiegen kann, damit sie zum Beispiel seitlich nicht reiben. Draht- und Stahlmaulkörbe gibt es durchaus auch ohne Stirnriemen, jedoch kaum ohne eine weiche Nasenauflage.
  • Für Giftköderprävention können Sie ein Netz vorne in einen Maulkorb einnähen. Und eine kleine Lücke speziell für Belohnungen aus der Tube lassen oder diese wie auch Leckerlis seitlich reichen.


Der häufigste Fehler


Dass dieser Maulkorb den Hauptzweck
verfehlt, sieht man eigentlich auf den
ersten Blick: wenn der Hund seine
Schnauze heran drückt, wird er trotz
Lederriemen zumindest schmerzhaft
kneifen können.
Am häufigsten kommt es  meiner Erfahrung nach vor, dass ein Maulkorb gewählt wurde, der seiner Aufgabe nicht gewachsen ist: der Mensch hat entweder den Maulkorb nach ästhetischen Gesichtspunkten gewählt oder aufgrund mangelnder Alternativen den aus seiner Sicht besten und passendsten, den er in seinem lokalen Laden gefunden hat.

Dem Hund ist die Ästhetik völlig egal. Dem anderen Hund oder dem Menschen, der irgendwann trotz dieses Maulkorbs gebissen, geschnappt, gezwickt wird, ebenfalls. Die Stabilität des Maulkorbes muss unbedingt der potentiellen Gefahr Rechnung tragen.

Der oben genannte Schäferhund hätte - das ist nahezu alternativlos - einen Maulkorb aus Metall tragen müssen. Wir haben übrigens nach einer 15minütigen Pause, damit sowohl mein als auch der Hormonhaushalt aller beteiligten (die Tochter des Hauses war nach der Beißattacke kreidebleich), inklusive Hund, sich weitestgehend normalisieren konnte, die Sitzung doch noch begonnen. In Ermangelung eines passenden Metallmaulkorbes haben wir einen meiner Ledermaulkörbe verwendet. Ich war mir bewusst, dass er mich damit ebenfalls erwischen kann, was auch einmal noch gleich zu Beginn der Einheit geschehen ist. Es war übrigens sogar schmerzhafter als die drei Zwicker mit der Maulschlaufe. Allerdings war ich darauf vorbereitet und habe ihm als Reaktion klar gemacht, dass das ein von mir nicht toleriertes Verhalten ist; wir konnten anschließend miteinander (zumindest solange ich ihn entweder führte oder die Hundehalter (beim Bindungstest) nicht zugegen waren) ohne weitere Zwischenfälle miteinadner arbeiten.


Fazit


Schlaufen sind völlig ungeeignet. Die größte Beißsicherheit aber auch den größten Tragekomfort für den Hund und damit die besten Voraussetzungen für eine hohe Akzeptanz sowie die höchste Dauereinsatztauglichkeit besitzen Draht- und Metallmaulkörbe.


Maulkorbgewöhnung


Die größten und zugleich häufigsten Fehler


Sitzt, wackelt und hat Luft: hier passt
alles: die Nase liegt frei, durch die
obere Polsterung liegt der Maulkorb
angenehm auf der Schnauze, der
Hund kann frei hecheln und schauen,
die Seiten liegen gut auf und der
Kopfriemen drückt hinten nicht
auf die Ohren. So dürfte es klappen.
Der größte Fehler bei der Maulkorbangewöhnung ist ein nicht optimal passender Maulkorb. Ich bin seit meinem siebten Lebensjahr Brillenträger. Bei einer neuen Brille drückt zuweilen ein Bügel hinterm Ohr. Das Gefühl ist auf Dauer so unangenehm, dass ich die Brille schon nach kurzer Zeit abnehmen muss und den Bügel neu passend einstellen lasse. Nicht anders wird es einem Hund gehen, bei dem der Maulkorb entweder vorne gegen die Nase drückt, beim Hecheln stört, seitlich reibt, der hintere Rand zu nah an den Augen sitzt oder gar die Sicht stört, die Schlaufe hinter den Ohren drückt oder der obere Schaft zu stark oben auf der Schnauze liegt.

Der zweitgrößte Fehler: Der Maulkorb wird innerhalb kürzester Zeit dem Hund mittels Leckerlis, die im Maulkorb angeboten werden, präsentiert und angezogen. Das führt in vielen Fällen zu keiner guten Akzeptanz dieses Werkzeugs.

Der dritte Fehler: Der Maulkorb wird immer nur dann eingesetzt, wenn er benötigt wird das heißt in kritischen, unangenehmen, stressigen Situationen. Dadurch wird er für den Hund mit der Zeit, trotz anfänglicher guter Angewöhnung, zu einem unliebsamen Symbol für eine herannahende unangenehme Situation.


Empfohlene Vorgehensweise


Um eine gute Maulkorbakzeptanz effizient zu erreichen und aufrecht zu erhalten sind drei Kriterien zu erfüllen.
  1. Die Angewöhnung findet langsam Schritt für Schritt statt

    Wenn möglich lassen Sie sich mehrere Wochen Zeit, um Ihrem Hund den Maulkorb anzugewöhnen. Fangen Sie dabei nur dann direkt mit dem Leckerli im Maulkorb an, wenn Ihr Hund das sofort ohne Bedenken annimmt. Andernfalls benutzen Sie den Maulkorb zunächst als ankündigendes und begleitendes Signal für eine gute gemeinsame Zeit: zeigen Sie ihn Ihrem Hund und lassen sie ihn stets sichtbar, solange die Einheit dauert. Die einfachste Möglichkeit ist den Maulkorb zu zeigen, dann das Futter vorzubereiten, den Maulkorb neben den Napf zu legen und solange er da liegt den Napf mehrmals bis zur üblichen Ration aufzufüllen, sobald er leer ist; anschließend den Maulkorb aufzunehmen und die Nahrungsausgabe sowie jegliche Interaktion mit Ihrem Hund zu beenden (s. auch Punkt 2; ggf. fällt diese Möglichkeit flach, wenn Ihr Hund futteraggressiv ist).

    Eine selbstverständliche, positive Verknüpfung mit einem
    Maulkorb kann zunächst auch spielerisch erfolgen.
    Völlig ungezwungen steckt Sharik hier sogar kurzzeitig
    freiwillig seine Schnauze in den Maulkorbschaft.

    Bevor Sie den Maulkorb Ihrem Hund erstmalig richtig aufsetzen, sollte er mehrere Male lediglich hinterm Kopf an sehr langer Schlaufe zugemacht werden und unter der Schnauze hängen bleiben, dann legen Sie wie üblich mehrmals hintereinander Leckerlis in den Schaft und halten den Maulkorb helfend so, dass Ihr Hund diese mühelos aufnehmen kann (logischerweise werden Leckerlis bei Maulkörben mit zu großen Gittern dem Hund von außen gehalten im Innern des Maulkorbs angeboten).
    In der nächsten Phase sollte der Maulkorb mehrere Tage hintereinander nur kurz d.h für wenige Sekunden aufgesetzt und der Hund dabei gelobt werden. Vermeiden Sie es, dass das Aufsetzen so lange dauert, dass Ihr Hund den Maulkorb abstreifen möchte.
    Nach und nach kann nun die Dauer, während der Maulkorb aufgesetzt bleibt, langsam erhöht werden.

    Bewegung hilft: Vielen Hunden hilft es, den Maulkorb schneller als selbstverständlich zu akzeptieren, wenn sie sich bewegen, sei es im Garten, draußen auf der Straße oder bei Herausforderungen, während der sie sich auf etwas anderes als eben den Maulkorb konzentrieren müssen.
    Treasures Akzeptanz ist sehr gut,
    obwohl dieser Maulkorb auf der
    Schnauze aufliegt und er mit ihm
    nur suboptimal hecheln kann.

     
  2. Vor der Übung und nach der Übung findet eine kurze Interaktionsauszeit statt.

    Bevor Sie jede Angewöhnungseinheit beginnen sollte ein kurze, aber für den Hund spürbare interaktionslose Zeit vergehen. Wenige Minuten reichen aus. Sinn dieser Auszeit ist, dass sich Ihr Hund auf die Einheit freut. So wird der Maulkorb, der die Beschäftigungsrunde stets durch sein Erscheinen ankündigen sollte, zu einem positiv verknüpften Signal. Entsprechend sollte beim Verstauen des Maulkorbs (im späteren Stadium bei der Abnahme des Maulkorbes) jegliche Interaktion mit dem Hund für ebenfalls kurze Zeit eingestellt werden.

  3. Der Maulkorb wird immer wieder in unkritischen, sogar schönen Situationen aufgesetzt.

    Um Fehler drei entgegen zu wirken setzen Sie bitte den Maulkorb auch im fortgeschrittenen Stadium der Angewöhnung immer wieder in freudigen, entspannten Situationen ein. Sie besuchen eine netten Hundekumpel: Maulkorb drauf. Sie starten eine Streicheleinheit: Maulkorb drauf (s. Punkt 2). Sie möchten ein paar Tricks abrufen: Maulkorb drauf. Sie gehen einfach nur kurz Gassi, wo gerade draußen kein Ärger zu erwarten ist: (Sie ahnen es schon) Maulkorb drauf. Nicht immer. Manchmal.

Dringende Fälle


Nicht immer kann man sich die notwendige Zeit lassen, um den Hund an das neue Werkzeug zu gewöhnen, welches ihm um die Schnauze gesetzt wird. Ist Gefahr im Verzug müssen Sie sofort handeln. Ihre Sicherheit und die der Umgebung hat allerhöchste Priorität. In so einem Fall können Sie Ihrem Hund den Maulkorb nur noch dadurch im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft machen, indem Sie immer wieder das Innere ordentlich mit Leber- oder Lachspaste aus der Tube beschmieren, bevor sie ihm den Maulkorb aufsetzen. Und ihn ab sofort nur noch durch den Maulkorb füttern. Besonders in solch dringenden Fällen kann Bewegung, Spiel, Spaß oder Spaziergang hilfreich sein, um die Aufmerksamkeit des Hundes auf etwas anderes umzulenken.


Irrglaube


Diese Frau wurde von ihrem Hund innerhalb 1,5 Jahre 6 Mal
so stark gebissen, dass Ihr Körper mittlerweile an diversen
Stellen mehrere solche Narben aufweist. Ein Maulkorb wurde
nicht eingesetzt, weil sie glaubte, dieser würde die Aggres-
sionen ihres Hundes noch weiter verstärken. Fatal!


Vorgestern erst war ich bei Hundehaltern, die mich gefragt haben: Verstärkt denn ein Maulkorb laut Volksmund nicht die Aggressionen eines Hundes?

Nein, tut er nicht! Voraussetzung ist selbstverständlich, dass er passend ausgewählt wurde. Denn ein Maulkorb, der stört oder gar dauerhaft Druckschmerzen verursacht kann natürlich den Stress des Hundes und damit die Empfindlichkeit und Reizbarkeit durch Außenreize erhöhen, aggressives Verhalten also fördern. Genauso wie ein unter den Achseln unangenehm einschneidendes Geschirr oder ein Schmerzen verursachendes Stachelhalsband.

Ein passender Maulkorb dagegen hat häufig den umgekehrten Effekt zur Folge: die Aggressionen werden weniger. Zum einen
Diese Verletzung zeigt, dass auch hier der Biss keinesfalls
harmlos war. Auch hier wird eine Narbe dauerhaft bleiben.
kann das an einer gewissen Hemmung des Hundes durch den aufgesetzten Maulkorb liegen. Zum anderen, und dieser Effekt ist viel bedeutsamer, sind die den Hund mit Maulkorb führenden Menschen oft entspannter, was einen Engelskreis nach sich zieht: der Hund spürt, dass sein Mensch in den üblichen Situationen weniger angespannt ist und wird selbst ruhiger, was wiederum dem Menschen noch mehr Sicherheit gibt und auch das spürt sein Hund.

Die spürbare Erleichterung des Menschen durch erhöhte Sicherheit mittels eines Maulkorbs ist sowohl in schwierigsten Fällen als auch bei Hunden, die nur sporadisch unerfreuliches Verhalten zeigen, ein wichtiger Faktor auf dem Weg zu einem gesellschaftskonformen Hundeverhalten.


Maulkorb kaufen


Der Anbieter chic & scharf  hat sich bei Trainern und Hundehaltern einen hervorragenden Ruf durch qualitativ hochwertige Maulkörbe und einen exzellenten Service verdient. Nachdem man seinen Hund laut der Anleitung auf deren Homepage ausgemessen hat (Schnauzenlänge und -breite), ist es möglich sich mehrere Maulkörbe zusenden zu lassen, diese in aller Ruhe daheim anzuprobieren und alle, bis auf den, für welchen man sich entscheiden hat, auf eigene Portokosten zurückzusenden. Sehr kundenorientiert und absolut fair.

Meine Kunden zeigen mir meistens die zugesandten Maulkörbe und wir wählen gemeinsam einen geeigneten aus.

Der unglaublich liebe Husky Jack wurde bei einem Zwischen-
fall in einem Tierheim übel angefallen und seitlich sowie
oben am Rücken erwischt. Der andere Hund hätte zwingend
einen Maulkorb tragen müssen. Zum Glück hat er ein im
wahrsten Sinne des Wortes dickes Fell. Jack ist jetzt bei uns,
d.h. bei meiner Nachbarin und ab und an auch bei mir.



Links
  1. Der vielleicht bekannteste Online-Shop für Maulkörbe: chic & scharf.
  2. Beschreibung, wie man die Schnauze ausmisst für einen gut sitzenden Maulkorb von chic & scharf.
  3. Maulkörbe aus Biothane erhalten Sie bei Bumas.
  4. Mein Artikel über Giftköderprävention.
  5. Seite Giftköderradar.

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