Samstag, 14. September 2013

Tötung von Hunden in Rumänien

Wahrscheinlich habt Ihr es alle schon gehört: nach einem tödlichen Beißvorfall dürfen frei streunende Hunde nun nach zwei Wochen Aufenthalt im Tierheim getötet werden. Die Folge ist eine Entrüstungswelle bei Tierschützern und Tierliebhabern in der gesamten Welt.

Dabei gibt es kaum etwas, was es nicht gibt: angefangen mit Verschwörungstheorien, dass der auslösende Beißvorfall gar keiner war bis hin zu extrem schockierenden Bildern von misshandelten Hunden. Das schlimmste was ich sah, war ein mit Öl begossene kleine Hund, der dann zum Spaß (!?) angezündet wurde. Er lief durch die Gegend, schreiend vor Schwerz, und kämpfte lange Sekunden lang einen aussichtslosen Kampf gegen Schmerz und Tot, während die Leute sich dabei amüsierten.

Ja, das ist total pervers. Und angesichts des Leids der Tiere in Rumänien bin ich alles andere als unberührt.

Dennoch stimme ich nicht mit ein und schwimme nicht auf der Welle der Entrüstung. Ich sehe mich einer objektiven Betrachtungsweise verpflichtet. Und ich fühle mich nicht kompetent genug, um hierzu eine klare Meinung haben zu können. Denn es scheint zunächst nur richtig, für das Recht der Tiere einzutreten. Doch man muss die Kehrseite ebenfalls betrachten. Und mir fehlen Einblicke in unterschiedliche Zahlen, in Finanzen, in gesellschaftliche Auswirkungen der Straßenhunde. Ich kenne nicht einmal die genaue wirtschaftliche Lage von Rumänien.

Allein in Bukarest sollen zwischen 40.000 und 60.000 Straßenhunde leben. Das bedeutet, dass vielerorts eine große Gefahr besteht, von einer Horde Hunde angefallen und verletzt zu werden. Wenn in der Hauptstadt so viele Straßenhunde leben, wie viele werden es dann in ganz Rumänien sein? Eine Million? Eines dürfte klar sein: Man kann alle diese Hunde nicht vermitteln.

Eine Lösung soll laut Tierschützern die Kastration oder Sterilisation der Straßenhunde sein. Doch wie realitätsnah sind diese Forderungen? Ist es angesichts der wirtschaftlichen Lage Rumäniens wirklich sinnvoll, hohe Millionenbeträge für das Einfangen und Sterilisieren von Hunden auszugeben? Wenn Menschen hungern, Kinder nichts anzuziehen haben, die Infrastruktur des Landes dringend verbessert werden muss, damit es der Bevölkerung mittelfristig besser geht? Durch eine Sterilisation wird außerdem lediglich deren Fortpflanzung unterbunden, nicht aber die Gefahr, von den Hunden angefallen zu werden.

Mit solchen Fragen beschäftigen sich die Tierschützer natürlich nicht. Die gesamtheitliche Betrachtungsweise fehlt. Bei uns in Deutschland begegne ich fast täglich Menschen, die schon vor meinem Hund, der völlig harmlos und freundlich neben mir an der Leine geht, Angst haben und ausweichen, abwarten, teilweise in Panik zurücktreten. Wie würden wir uns fühlen, wenn wir bei jedem Spaziergang und jedem Einkauf auf Horden streunender Hunde treffen? Freilaufend und unberechenbar? Daher fällt es mir schwer für oder gegen die Maßnahme der Regierung zu sein. In einer solchen Situation muss ich auch in Betracht ziehen, dass eine sanfte Tötung der Hunde eine Lösung zum Wohle des Landes und seiner Bevölkerung sein kann. Wenn sie durch neue, strenge Gesetze begleitet würde, die eine erneute Populationseskalation verhindern. Und das Problem mit den Straßenhunden ein für alle Mal regeln.


Allein, ich vermute hinter der Aktion eine populistische Motivation, die am Ende an den Zuständen in Rumänien nicht viel ändern wird, weil weder die nötige Konsequenz in der Durchführung vorhanden sein wird noch die notwendigen begleitenden Gesetze. Das wäre dann für mich kein lösungsbringende Richtung. Vergessen wir bei der ganzen Aufregung bitte nicht, dass es auf Zypern völlig normal ist, dass Hunde nach 2 Wochen im Tierheim eingeschläfert werden. Da fragt man sich auch, weshalb es diesen Aufruhr nun gibt und man gegen die Zustände auf Zypern nicht gleichermaßen vorgeht.

Was meint Ihr dazu? Ich freue mich auf Kommentare und eine lebhafte Diskussion zum Thema in meinem Blog.